Dirk ihm seine Welt (2)
Die Samstagabendunterhaltung ist nicht tot. Wirklich lebendig ist sie allerdings auch nicht.
Gestern Abend hat das regnerische Herbstwetter dafür gesorgt, dass Saskia und ich uns nicht – wie ursprünglich geplant – mit einem Becher Glühwein an der Eisbahn sondern einem Glas Rotwein vor dem Fernsehschirm wieder fanden. Ein ordentliches Pastagericht machte herrlich wehrlos, die Magensäfte führten einen erbitterten Kampf gegen den Nudelberg und der Rest des menschlichen Seins begab sich bereitwillig in den Standby-Modus.

Vielleicht erklärt das, warum niemand zur Fernbedienung griff, als die Eurovisionshymne durch die Wohnung tönte. Eine Rechtfertigung ist es natürlich nicht.
Eigentlich wollte ich "Wetten, dass..?" nicht mehr schauen. Die Gäste auf der gigantischen Couch wirken meist selbst so träge, als hätten sie kurz vor der Sendung das große "All you can eat"-Fest beim Italiener um die Ecke mitgemacht. Ein blondgelockter Anachronismus führt mit altbackenen Sprüchen durch die Sendung und bemüht sich, sämtliche Gäste möglichst gleichmäßig zu begrabschen.
Ein gewisser Nostalgiefaktor ist der Sendung jedoch nicht abzusprechen. Ich erinnerte mich wieder einmal daran, wie ich vor Ewigkeiten im elterlichen Wohnzimmer saß und mich von über die öden Erwachsenengespräche hinweg von Wette zu Wette hangelte – denn im Grunde funktioniert es heute nicht anders.
Schließlich kündigte ein Motocross-Proll an, nach einem 20-Meter-Sprung mit seinem Geländeofen punktgenau auf einem Apfel zu landen – und dieses Kunststück innerhalb zweier Minuten gleich vier Mal zu wiederholen. Eine Alltagsgeschichte halt.
Ehe der todesmutige Enduro-Tell zum letzten und entscheidenden Sprung ansetzte, lief die Zeit ab. Trotzdem durfte er noch anfahren. Als das Apfelmus dann effektvoll durch die Messehalle spritzte, erschien das "Wette gewonnen"-Logo auf dem Bildschirm und das Publikum applaudierte artig. Ich jedoch saß leicht verstimmt mit meinem Rotwein in der Hand auf dem Bett und murmelte: "Er hat's aber doch gar nicht in der vorgegeben Zeit geschafft…"
Ganz plötzlich reifte die schmerzliche Erkenntnis in mir: Ich bin zu spießig für "Wetten, dass..?"! Womit ich wahrscheinlich ungefähr so lebendig wäre wie die Samstagabendunterhaltung…
Gestern Abend hat das regnerische Herbstwetter dafür gesorgt, dass Saskia und ich uns nicht – wie ursprünglich geplant – mit einem Becher Glühwein an der Eisbahn sondern einem Glas Rotwein vor dem Fernsehschirm wieder fanden. Ein ordentliches Pastagericht machte herrlich wehrlos, die Magensäfte führten einen erbitterten Kampf gegen den Nudelberg und der Rest des menschlichen Seins begab sich bereitwillig in den Standby-Modus.

Vielleicht erklärt das, warum niemand zur Fernbedienung griff, als die Eurovisionshymne durch die Wohnung tönte. Eine Rechtfertigung ist es natürlich nicht.
Eigentlich wollte ich "Wetten, dass..?" nicht mehr schauen. Die Gäste auf der gigantischen Couch wirken meist selbst so träge, als hätten sie kurz vor der Sendung das große "All you can eat"-Fest beim Italiener um die Ecke mitgemacht. Ein blondgelockter Anachronismus führt mit altbackenen Sprüchen durch die Sendung und bemüht sich, sämtliche Gäste möglichst gleichmäßig zu begrabschen.
Ein gewisser Nostalgiefaktor ist der Sendung jedoch nicht abzusprechen. Ich erinnerte mich wieder einmal daran, wie ich vor Ewigkeiten im elterlichen Wohnzimmer saß und mich von über die öden Erwachsenengespräche hinweg von Wette zu Wette hangelte – denn im Grunde funktioniert es heute nicht anders.
Schließlich kündigte ein Motocross-Proll an, nach einem 20-Meter-Sprung mit seinem Geländeofen punktgenau auf einem Apfel zu landen – und dieses Kunststück innerhalb zweier Minuten gleich vier Mal zu wiederholen. Eine Alltagsgeschichte halt.
Ehe der todesmutige Enduro-Tell zum letzten und entscheidenden Sprung ansetzte, lief die Zeit ab. Trotzdem durfte er noch anfahren. Als das Apfelmus dann effektvoll durch die Messehalle spritzte, erschien das "Wette gewonnen"-Logo auf dem Bildschirm und das Publikum applaudierte artig. Ich jedoch saß leicht verstimmt mit meinem Rotwein in der Hand auf dem Bett und murmelte: "Er hat's aber doch gar nicht in der vorgegeben Zeit geschafft…"
Ganz plötzlich reifte die schmerzliche Erkenntnis in mir: Ich bin zu spießig für "Wetten, dass..?"! Womit ich wahrscheinlich ungefähr so lebendig wäre wie die Samstagabendunterhaltung…
Hans-Dirk - Sonntag, 5. November 2006
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