Nimm den goldenen Ring von mir
Meine Eltern konnten nicht wissen, dass eines Tages so ausgefeilte Kommunikationsmittel wie die e-Mail oder das Mobiltelefon ihr Leben bereichern würden. Die Notwendigkeit, dem Angetrauten oder dem Nachwuchs hin und wieder auch in Abwesenheit Nachrichten zukommen zu lassen, haben sie allerdings sehr früh durchschaut.

So schreiben sie seit vielen Jahren kleine Zettel und legen diese an immer der gleichen Stelle im Haus ab, so dass jeder, der zur Tür hinein kommt, sofort im Bilde ist. Liebevolle Botschaften wie "Bin einkaufen" oder "Nicht vergessen: morgen Sperrmüll". Das Prinzip ist gewiss nicht neu, das gebe ich ja zu, aber es funktioniert hervorragend. Außerdem führte es dazu, dass auch heute noch mein erster Blick stets auf jenen ominösen Platz vor dem Telefon fällt, wenn ich sie besuche.
Wie auch vor gut zwei Wochen.
Das Haus schien leer. Nichts Ungewöhnliches, dann waren sie eben bei der Arbeit, spontan noch mal einkaufen gegangen oder während einer Wintersport-Sendung auf dem Sofa eingenickt – was Eltern halt so machen. Kein Zettel vor dem Telefon.
Stattdessen lag dort ein einsamer goldener Ring. Im eigentlichen Sinne war es nicht einmal mehr ein Ring, war er doch an einer Stelle gewaltsam durchtrennt worden. Unschuldig glitzerndes Opfer einer heimtückischen Seitenschneider-Attacke! Und auf der Innenseite war das Hochzeitsdatum meiner Eltern eingraviert.
Jede zweite Ehe wird mittlerweile wieder geschieden – aber doch nicht die meiner Eltern! Das verflixte 33. Jahr? Überhaupt, was ist denn das für eine widerwärtige Art, sich dem anderen mitzuteilen? So etwas Stilloses hätte ich nicht einmal Ralf Siegel zugetraut.
In diesem Moment öffnete sich die Haustür, meine Mutter betrat die Bühne. Sie sah mich mit dem Ringrest in der Hand und dem dazu passenden Gesichtsausdruck vor dem Telefon stehen und musste schmunzeln. Entzündung in einem Fingergelenk, böse Schwellung. Ungewöhnliche Umstände, ungewöhnliche Maßnahmen. Ich wisse schon.
Sie hätte mir auch ruhig einen Zettel schreiben können.

So schreiben sie seit vielen Jahren kleine Zettel und legen diese an immer der gleichen Stelle im Haus ab, so dass jeder, der zur Tür hinein kommt, sofort im Bilde ist. Liebevolle Botschaften wie "Bin einkaufen" oder "Nicht vergessen: morgen Sperrmüll". Das Prinzip ist gewiss nicht neu, das gebe ich ja zu, aber es funktioniert hervorragend. Außerdem führte es dazu, dass auch heute noch mein erster Blick stets auf jenen ominösen Platz vor dem Telefon fällt, wenn ich sie besuche.
Wie auch vor gut zwei Wochen.
Das Haus schien leer. Nichts Ungewöhnliches, dann waren sie eben bei der Arbeit, spontan noch mal einkaufen gegangen oder während einer Wintersport-Sendung auf dem Sofa eingenickt – was Eltern halt so machen. Kein Zettel vor dem Telefon.
Stattdessen lag dort ein einsamer goldener Ring. Im eigentlichen Sinne war es nicht einmal mehr ein Ring, war er doch an einer Stelle gewaltsam durchtrennt worden. Unschuldig glitzerndes Opfer einer heimtückischen Seitenschneider-Attacke! Und auf der Innenseite war das Hochzeitsdatum meiner Eltern eingraviert.
Jede zweite Ehe wird mittlerweile wieder geschieden – aber doch nicht die meiner Eltern! Das verflixte 33. Jahr? Überhaupt, was ist denn das für eine widerwärtige Art, sich dem anderen mitzuteilen? So etwas Stilloses hätte ich nicht einmal Ralf Siegel zugetraut.
In diesem Moment öffnete sich die Haustür, meine Mutter betrat die Bühne. Sie sah mich mit dem Ringrest in der Hand und dem dazu passenden Gesichtsausdruck vor dem Telefon stehen und musste schmunzeln. Entzündung in einem Fingergelenk, böse Schwellung. Ungewöhnliche Umstände, ungewöhnliche Maßnahmen. Ich wisse schon.
Sie hätte mir auch ruhig einen Zettel schreiben können.
Hans-Dirk - Mittwoch, 22. November 2006
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